Die HCG-Diät in der BUNTEN

Ein Erlebnisbericht

Wenn prominente Mütter wie Heidi Klum, Nicole Kidman oder Angelina Jolie bereits wenige Wochen nach der Geburt ihres Kindes wieder im engen Kleid vor den Kameras posen, glaubt man schnell an den Auftritt einer Doppelgängerin.

„Wie machen die das?“ fragt sich wohl jeder angesichts der Turbowandlung vom prallen 9-Monats-Bauch zur ultraflachen Mitte. Meist ist dann die Rede von ausgewogener Ernährung und intensiven Personal-Training mit irgendeinem Fitness-Guru.

Der Berliner Aesthetische Mediziner Dr. Michael Schmidt-Kulbe glaubt nicht so ganz an solche „Wunder“: „Das bestgehütete Geheimnis vieler Hollywood-Stars ist die hCG-Diät“. Die ist übrigens gar nicht so neu, wurde schon vor rund 40 Jahren von dem Tropenmediziner Dr. ATW Simeons unter dem Namen „Simeons Protocol“ lanciert. In seinen Privatkliniken in Rom und Kalifornien behandelte er damals schon Stars wie Sophia Loren oder Marcello Mastroianni. Liz Taylor slimte sich damit 1991 zu ihrer Hochzeit mit dem Bauarbeiter Larry Fortensky innerhalb von wenigen Wochen von einer guten 42er-Figur auf eine Größe-38-Taille. Auch Kolleginnen wie Renée Zellweger und Catherine Zeta-Jones sollen so zu ihren aktuellen Elfen-Maßen gekommen sein.

Basis der Blitz-Diät ist das Hormon hCG (Humanes Chorion Gonadotropin). Es wird normalerweise in der Schwangerschaft vom Körper gebildet und ist der Indikator, ob ein Baby Test positiv anzeigt. Dieses Hormon wird bei der Diät vier Wochen lang jeden Tag in einer sehr geringen Dosis von 125 I.U unter die Haut gespritzt. Das Ganze ist ein so genannter Off-Label-Use, also eine Indikation, für die das Medikament eigentlich nicht offiziell zugelassen ist. Deshalb muss die Patientin dem auch schriftlich zustimmen. „Auch Botox zur Faltenglättung wurde lange off-label angewendet, die Zulassung kam erst 2002.“ sagt Dr. Schmidt-Kulbe.

Das hCG sorgt dafür, dass Heißhungeranfälle während der Diät ausbleiben Denn die ist in den ersten vier bzw. sechs Wochen (je nach Abnahmewunsch) mit 500 Kalorien pro Tag doch recht karg: Morgens ein Eiweißshake samt eines Apfels oder einer Orange, mittags 100 Gramm Geflügel, Rinderfilet oder Tofu mit einer Portion Gemüse, mittags wieder ein Eiweißshake samt einer Handvoll Beeren und abends dann noch mal ein Stück Fisch oder Fleisch mit Gemüse oder Salat. Alkohol, Zucker, Fett und jegliche Kohlenhydrate in Form von Kartoffeln, Brot, Reis oder Nudeln sind verboten. „Natürlich würde jeder bei einer 500-Kalorien-Diät abnehmen, allerdings mit extremen Hungergefühlen, sehr schlechter Laune, dramatischem Muskelabbau und knittrig werdender Haut“, so Schmidt-Kulbe. Das Hormon hCG dagegen sorgt dafür, dass es nicht zur Unterzuckerung und damit zu Heißhungerattacken kommt, man ist zudem voller Energie. Durch den hohen Eiweißanteil in der Nahrung werden Muskeln nicht abgebaut, dafür jede Menge Speicherfett an Bauch, Beinen und Po verbrannt.  „hCG wirkt stimulierend auf die Schilddrüse, kurbelt den Stoffwechsel an und erleichtert so das Abnehmen“, sagt auch der Hormon-Experte Professor Johannes Huber von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde im Wiener AKH. Eine Gewichtreduktion von 7 bis 15 Kilo innerhalb von vier bis sechs Wochen gilt als realistisch, Männer (die sich auch bedenkenlos hCG spritzen dürfen) nehmen im Allgemeinen leichter ab als Frauen.

Damit es nicht zu dem gefürchteten Jo-Jo-Effekt nach der Diät-Phase kommt, schließt sich eine vier – bis sechswöchige Erhaltungsphase an, die den Stoffwechsel ein für allemal auf schlank programmieren soll. „Wir drücken mit der Diätphase unter HCG quasi die Reset-Taste des Körpers und sorgen danach mit einer Ernährungsumstellung dafür, dass dieser Neustart auch von Dauer ist“, erklärt Dr. Schmidt-Kulbe. In der Erhaltungsphase sollte der Fokus weiter auf einer eiweißreichen Ernährung mit viel Gemüse, Obst, magerem Fleisch und Fisch liegen. Daran kann und soll man sich richtig satt essen. Hungern würde eher zu einer Gewichtszunahme führen. Gute Fette wie Oliven- oder Rapsöl sind erlaubt, Kohlenhydrate in kleinen Mengen können nach und nach in den Ernährungsplan eingebaut werden. Jede Woche gibt es 2 Joker Tage, an denen alles erlaubt ist. Das ist der Unterschied zu den ähnlich funktionierenden Low-Carbs-Diäten, zu denen etwa die Glyx-, Atkins-, Montiniac- oder die Logi-Methode gehören.   Schmidt-Kulbe: „Eine Ernährung, die lebenslänglich das Croissant zum Sonntagsfrühstück oder die Steinofenpizza verbietet, ist nicht realistisch und führt letztlich nur dazu, alle guten Vorsätze irgendwann frustriert wieder über Bord zu werfen.“ Wer möchte, kann sich nach der Ess-Kur noch einem Feintuning mittels Ultraschall und Fett-Weg-Spritze unterziehen. Das schreckt dann auch letzte verbliebene Fettzellen auf und glättet zudem Cellulite.

BUNTE-Mitarbeiterin Silke Amthor wollte dem Winterspeck an den Kragen und hat die hCG-Diät getestet:

Das Beste kommt am Anfang:  Ich darf, nein, ich muss sogar essen. Drei Tage lang. Wobei essen glatt untertrieben ist, das große Fressen wäre wohl treffender. Salami-Brötchen, Croissants mit Nussnugat-Creme, Bratwurst, Trüffelpasta, Lübecker Nuss-Sahne-Torte, Wiener Schnitzel mit Pommes und Mayo. Kurz, alles was unter die Rubrik „böse, aber lecker“ fällt.  Am dritten Tag nach einer fetttriefenden Ente kross beim Thailänder ekle ich mich ein bisschen vor mir selber – und schiebe dann bei den „Tagesthemen“ sicherheitshalber noch eine Tüte Cashewkerne hinterher. Mein Arzt wäre zufrieden mit mir. Denn ich habe meine Fettzellen nach Vorschrift bis zum Anschlag gefüttert. Ab morgen früh werden sie sich wundern.

Erst mal auf die Waage. Die zeigt seltsamerweise nur 100 Gramm mehr an als vor den Fresstagen. Das muss am hCG liegen, das ich seit zwei Tagen spritze. Zielen, kurz tief durchatmen – und rein damit. Die Nadel ist wirklich hauchdünn, ich merke fast nichts. Als einzige Nebenwirkung spüre ich ein leichtes aber durchaus angenehmes Wärmegefühl. Jetzt werden vermutlich die Fettverbrennungsöfchen im Körper ordentlich angeheizt – gut so! Abends koche ich für Gäste Nudeln mit Pesto, sitze selber bei 75 Gramm Räucherlachs. Ich habe keinen Hunger, könnte aber für ein Stück Weißbrot und einen Schluck Weißwein glatt morden. Die Waage belohnt meine Abstinenz am nächsten Morgen mit minus 900 Gramm. In den nächsten Tagen geht es etwas langsamer, 300 Gramm pro Tag sind aber der Durchschnitt. Meine Laune ist glänzend, ich fühle mich hellwach aber nicht aufgedreht.  Ich bin konzentriert wie selten, die Arbeit (auch dieser Artikel) flutscht nur so. Hunger habe ich keinen – und selbst der „Süß-Jieper“ ist nach drei Tagen verschwunden. Das Beste an der Sache: Ich „lerne“ wieder auf die Signale meines Körpers zu hören. Nach einem Teller Hühnerbrustgeschnetzeltem mit Brokkoli, Ingwer, Chili und frischen Koriander bin ich wirklich satt – ganz ohne Reis.  Früher habe ich – gerade in Stresszeiten – einen Keks nach dem anderen gefuttert, mich am – zugegeben – leckeren Brot beim Italiener schon mit der Vorspeise fast satt gegessen – und hatte meist nach einer Stunde schon wieder Hunger.

Nach 10 Tagen zeigt die Waage 3,5 Kilo weniger, der Hunger ist komplett verschwunden, ich bin voller Elan – und die Lieblingsjeans sitzt schon deutlich lockerer. Noch gute zwei Wochen bis zum Ziel von 7 Kilo weniger. Ein kleiner Härtetest steht mir allerdings noch bevor: Eine Kurzreise nach Venedig. In meinem Lieblingsrestaurant an der Campo Santa Marina werde ich diesmal Fisch statt der fantastischen Tintenfisch-Ravioli ordern. Und meinen Lieblingsaperitif „Spritz“ gibt’s ja inzwischen auch in Berlin…