Wirkstoffkosmetik
Hormonkosmetik versus Kosmetik

Man kennt Hormone in Zusammenhang mit Krankheiten (z.B. Diabetes, Schilddrüse), natürlich mit der Pille (Östrogen und Gestagen) und man soll es nicht verschweigen mit Sportdoping. Was haben die Hormone nun mit der Schönheit/Aesthetik zu tun? Die positive Wirkung weiblicher Geschlechtshormone auf Haut, Schleimhäute und Haare ist seit langem bekannt. Über viele Jahre hinweg waren diese Wirkungen jedoch allenfalls ein zwar erwünschter, jedoch keinesfalls primär intendierter Nebeneffekt einer systemischen Hormontherapie. Mit dem Aufkommen der Anti-Aging-Medizin und einer immer stärkeren Betonung ästhetischer Aspekte erlangt jedoch auch die topische – sprich lokale – Applikation von Steroidhormonen zur Erzielung kosmetischer Effekte (Hormonkosmetik) eine zunehmende Bedeutung. Ziel ist es die positiven Wirkungen auf die Haut zu beschränken, ohne unerwünschte systemische Effekte. Was dabei beachtet werden sollte, ist im Folgenden zusammengestellt.

Es gibt nicht wenige Kritiker, die in der allgegenwärtigen Propagierung kaum erreichbarer Schönheitsideale eine bedenkliche Entwicklung des Zeitgeistes sehen („Beauty-Terrorismus“). Auch wir Ärzte werden kritisiert, wenn wir unsere Kunst statt in die Behandlung von Erkrankungen in die Optimierung von Schönheit investieren. Bei allen sicherlich zu Recht angeprangerten Auswüchsen des gegenwärtigen Schönheitswahnes bleibt jedoch festzuhalten: Das Verlangen, insbesondere des weiblichen Teils der Menschheit, sich mit Hilfe externer Wirkstoffe (Kosmetika) zu verschönern, ist wahrscheinlich so alt wie die zivilisierte Menschheit selbst. So findet sich z.B. bereits im alten Ägypten ein geradezu exzessiver Gebrauch von Kosmetika, der bis heute ungebrochen ist. Sie müssen nur zu Douglas oder z.B. ind Erdgeschoss des KADEWE gehen.

Grundsätzlich gilt für alle Kosmetika: Laut Gesetz (Art. 2 der Kosmetik Verordnung) darf Kosmetik nur auf der Oberfläche wirken. Dringt sie in tiefere Hautschichten ein, wäre sie ein nicht frei verkäufliches Arzneimittel, das eine teure Zulassung brauchte. Die Leistungsfähigkeit im Hinblick auf Falten ist also sehr begrenzt. So groß wie die Preisdifferenz der verschiedenen Cremes kann der Unterschied in der Wirkung folglich gar nicht sein.

So haben wir Ärzte haben uns schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt auf ästhetischem Gebiet engagiert. Bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. finden sich in den Abhandlungen des Hippokrates über Frauenkrankheiten ein umfangreiches Kapitel mit kosmetischen Rezepturen, u.a. „zur Glättung von Runzeln“ oder auch „um dem Gesicht ein schöneres Aussehen zu verleihen“. Auch der zweite Stammvater der antiken Medizin, Galenus von Pergamon (129–199 n. Chr.), beschäftigte sich intensiv mit kosmetischen Zubereitungen. Die berühmte „Kaltcreme“ (Unguentum refrigerans) des Begründers der Galenik war wohl der erste kosmetische Verkaufserfolg der Antike. Wir sehen: Lifestylemedizin und ästhetisches Anti-Aging sind durchaus keine Erfindung des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Der Kampf gegen Falten, Fältchen und eine dünner werdende Haut ist letztlich ein Kampf gegen Alterungsprozesse, die an unserem größten Organ, der Haut, in besonderer Weise sichtbar werden. Fundierte Kenntnisse über den Alterungsprozess im Allgemeinen und den der Haut im Besonderen sind daher Voraussetzung für wirksame Therapieansätze. Bereits mit 30 Jahren beginnt unsere Haut zu altern. Die Haut als das größte Organ des Menschen altert in doppelter Weise. Zu unterscheiden ist hier im Wesentlichen zwischen einem exogenen, extrinsischen -hauptsächlich UV-induzierten Alterungsprozess (Photoaging) – und einer endogenen, intrinsischen Hautalterung, die entscheidend durch den Hormonmangel bestimmt ist.

Extrinsische Hautalterung

Die Haut altert doppelt. Im Allgemeinen wird zwischen einer extrinsischen und einer intrinsischen Hautalterung unterschieden. Zu den äußeren Faktoren, die für die extrinsische Alterung verantwortlich sind, gehören UV-Strahlung, Rauchen, Umweltnoxen sowie Ernährungs- und Lebensstilfaktoren. Der bei weitem wichtigste Faktor ist die UV-Strahlung, die für nahezu 80 % der extrinsischen Hautalterungsprozesse verantwortlich gemacht wird . Aus diesem Grund hat sich für die extrinsische Hautalterung auch der Begriff „Photoaging“ eingebürgert. Als wichtigster Pathomechanismus des Photoagings gilt die Bildung von freien Radikalen in der Haut mit nachfolgender oxidativer Schädigung diverser Zellstrukturen. Dies wirkt sich vor allem im Bereich der Dermis (Lederhaut) aus. Hier führt die oxidative Belastung zu einer Degeneration und Desintegration von dermalen extrazellulären Fasern. Über die Induktion von Matrix-Metalloproteinasen (MMPs) kommt es zu einem übermäßigen Abbau hauptsächlich von Typ-1-Kollagen, aber auch zu einer Akkumulation und Ablagerung von pathologischem, „elastotischem“ Material. Das typische klinische Bild einer extrinsischen Voralterung ist daher die „lederartig gegerbte Haut“ mit ihren tiefen Falten und Furchen. Das histologische Korrelat ist das einer Elastose.

Intrinsische Hautalterung

Ganz anders verläuft der Mechanismus bei der intrinsischen Hautalterung. Sie wird bestimmt durch die genetische Veranlagung sowie durch diverse innere Einflüsse, wobei Veränderungen des Hormonhaushaltes die entscheidende Rolle spielen. Leitsymptom dieses Hormonmangels – der endogenen Hautalterung – ist eine zunehmende Atrophierung (Ausdünnung) der Haut in allen drei Schichten (Epidermis, Dermis, Subcutis). Auch die Hautanhanggebilde (Talgdrüsen, Schweißdrüsen, Haarfollikel) bilden sich zurück, die Hautdurchblutung nimmt ab. Klinisch macht sich dies als eine zunehmend dünne, trockene und faltige Haut bemerkbar.

von links nach rechts: prämenopausale Haut, peri- und postmenopausale Haut, senile Haut

Sowohl die Anzahl der Keratozyten der Epidermis als auch der Fibroblasten in der Dermis nehmen mit dem Alter ab. Die Tatsache, dass beide Zellarten sowohl Östrogen- als auch Androgenrezeptoren aufweisen, deutet auf die Hormonabhängigkeit dieses Prozesses hin . Mehr noch als die Abnahme der zellulären Bestandteile sind jedoch Veränderungen der extrazellulären Matrix für das Erscheinungsbild der intrinsischen Hautalterung verantwortlich. So kommt es bereits in den ersten fünf Jahren nach der Menopause zu einer Abnahme der dermalen Kollagenfasern um etwa 30 % . Auch andere Bestandteile der dermalen Grundsubstanz, wie z.B. die für die Wasserbindung entscheidende Hyaluronsäure, finden sich in einer Hormonmangelsituation deutlich vermindert. Die Folge ist das klinische Bild einer dünnen, eher trockenen Haut mit Ausbildung sehr viel feinerer Fältchen, als sie bei der extrinsischen Hautalterung zu beobachten sind.

Folgen des Östrogenmangels auf die Haut: Zeichen der intrinsischen Hautalterung.

  • Verdünnung der Haut
  • Feuchtigkeitsverlust
  • verminderte Elastizität
  • verminderte Vaskularisation
  • verminderte Kollagenneusynthese

Die kosmetische Industrie hat in den letzten Jahren hohe Summen in die Erforschung der Hautalterung sowie in die Entwicklung neuer Hautpflegeprodukte und „Anti-Aging-Substanzen“ gesteckt. Das gilt für den Bereich von Feuchthaltesubstanzen (Moisturizer) ebenso wie für verbesserte topische Lichtschutzfaktoren und Antioxidanzien. Für all diese Produkte gilt jedoch: Sie beeinflussen ausschließlich die extrinsische Hautalterung, das Photoaging. Die Tatsache, dass es so gut wie keine Präparate zur Behandlung der intrinsischen Hautalterung gibt, hat einen relativ einfachen Grund: Die intrinsische Hautalterung ist im Wesentlichen hormonmangelbedingt und lässt sich effektiv auch nur durch die Zufuhr der fehlenden Hormone behandeln. Hormone sind jedoch als medizinische Inhaltsstoffe klassifiziert und somit für die kosmetische Industrie nicht zugänglich. Ihre Verschreibung – auch in topischer Form – bleibt in der Hand des Arztes, die Zubereitung in der des Apothekers.

Wirkung von Östrogenen auf der Haut

Der Beleg, dass die intrinsische Hautalterung durch den Einsatz von Steroidhormonen weitgehend reversibel ist, wurde inzwischen im Rahmen einer ganzen Reihe von Untersuchungen erbracht. So weisen postmenopausale Frauen unter einer systemischen Hormonersatztherapie gegenüber einer unbehandelten Vergleichsgruppe eine höhere Hautdicke und -feuchtigkeit sowie einen signifikant höheren Kollagen- und Elastingehalt der Haut auf (10). Diese Veränderungen lassen sich nicht nur histologisch nachweisen, sondern haben einen sicht- und messbaren Effekt auf die Häufigkeit und Tiefe von Falten (11). Diese Effekte sind aber nicht nur durch eine systemische Hormontherapie (Pillen, Injektionen) zu erzielen, sondern auch durch eine lokale Applikation (Hormonkosmetik). Hierzu empfiehlt sich als besonders geeignetes Östrogen das Östriol, das eine ausgeprägt epidermotrope Wirkung besitzt und auch bei einer eventuellen transdermalen Resorption nur geringe Wirkungen auf das Endometrium entfaltet. Aber auch die Gestagene zeigen eine positive Wirkung bei der Behandlung der alternden Haut. Insbesondere das natürliche Progesteron ist ein Hemmer der für den Bindegewebsabbau verantwortlichen Matrix-Metalloproteinasen. Eine gute Steriodhormonsalbe sollte daher auch einen Progesteronanteil enthalten.

Klinischer Effekt durch 0,3 % Östriolsalbe: Mit Östrogensalbe lassen sich sicht- und messbare Verbesserungen erzielen.

links: vor Therapie, rechts: nach 12 Wochen Behandlung

Ganz ähnliche Effekte lassen sich an der Haut aber auch im Rahmen einer topischen Behandlung mit den entsprechenden Hormonen erzielen. Auch hier konnte in mehreren Studien ein positiver Effekt auf die entscheidenden Faktoren der Hautalterung wie Kollagengehalt, Hyaluronsäurekonzentration, Hautdicke und Hornschichtfeuchtigkeit belegt werden (12). Durch den Ersatz der fehlenden Östrogene sind diese Veränderungen zumindest partiell reversibel. Östrogene bewirken im dermalen Bindegewebe einen Anstieg von sauren Mukopolysacchariden und von Hyaluronsäure, was eine vermehrte Wassereinlagerung zur Folge hat. Die Hautdicke nimmt wieder zu, kleinere Fältchen glätten sich. Gleichzeitig beeinflussen Östrogene auch die strukturelle Qualität des Bindegewebes durch einen messbaren Anstieg des Kollagens. Wenn es um den Einsatz von Hormonen geht, ist jedoch nicht nur der Nachweis einer entsprechenden Wirkung von Bedeutung, sondern ebenso der Ausschluss unerwünschter Nebenwirkungen. So wissen wir aus der systemischen Hormonersatztherapie seit langem, dass die Haut nicht nur Zielorgan von Östrogenen ist, sondern auch ein geeignetes Medium, diese zu inkorporieren – eine Tatsache, die man sich im Rahmen der transdermalen Hormonsubstitution seit langem zunutze macht.

Die Auswahl der richtigen Östrogene ist entscheidend

Von außerordentlicher Wichtigkeit ist daher bei hormonkosmetischen Rezepturen die Auswahl des richtigen Östrogens. Die Verwendung von 17-Östradiol, wie sie noch immer in älteren Rezepturen für Hormonkosmetika empfohlen wird, muss heute als obsolet betrachtet werden. 17-Östradiol wird nach topischer Applikation in hohem Maße resorbiert und entfaltet systemische Wirkungen, vor allem auf das Endometrium. Die Auslösung irregulärer uteriner Blutungen kann aber nicht das Ziel einer hormonkosmetischen Behandlung sein. Die Substanz der Wahl im Rahmen der Hormonkosmetik ist daher das Östriol, das insgesamt gegenüber dem 17--Östradiol zwar eine deutlich geringere Wirkung aufweist, dessen Effekt auf die Haut jedoch nahezu gleichwertig ist. Allenfalls das 17-Östradiol, das ebenfalls keine proliferierende Wirkung auf das Endometrium ausübt, kann neben dem Östriol in topischen Präparaten zum Einsatz kommen.Neben den Östrogenen weisen auch die Gestagene dermatotrope Effekte auf. Allerdings ist hier die Studienlage deutlich dünner. Die wohl interessanteste Wirkung der Gestagene ist ihre Beeinflussung der internen Regulation der Kollagenasen, die vor allem für das körpereigene Progesteron nachgewiesen werden konnte (13). Kollagenasen gehören zur Gruppe der Matrix-Metalloproteinasen (MMPs), einer Gruppe von proteolytischen Enzymen, die Kollagen, Elastin und weitere Bindegewebsproteine abbauen können und die somit essentiell für das Remodelling des dermalen Bindegewebes sind (14). Dieses Remodelling ist ein physiologischer und notwendiger Prozess. Eine vermehrte Aktivität der MMPs, wie sie im Alter, aber auch induziert durch exogene Faktoren wie UV-Bestrahlung und Nikotinabusus gesehen wird, führt allerdings zu einem unphysiologischen Kollagen- und Bindegewebsabbau. Als effektiver MMP-Hemmer ist das Progesteron somit ein wichtiger Bestandteil hormonkosmetischer Rezepturen (15). Unter den synthetischen Gestagenen sind vor allem jene mit antiandrogener Wirkung von Interesse. Der Einsatz im Rahmen von antiandrogenen Ovulationshemmern (Belara®, Diane 35®, Valette®) ist ein überaus wirksamer Behandlungsansatz der Acne vulgaris. Allerdings verbietet sich dieser Therapieansatz bei Frauen mit Kinderwunsch und natürlich bei Männern, die in ihrer Jugend ja häufig besonders intensiv von Akne betroffen sind. Antiandrogene Gestagene, wie z.B. das Cyproteronacetat, sind jedoch ebenfalls topisch wirksam, sodass ihre Anwendung in Form von Gelen auch in diesen Fällen möglich ist (16). Als additive Maßnahme können sie darüber hinaus die Wirkung einer entsprechenden Ovulationshemmerbehandlung wirksam unterstützen.

Wirkung der Androgene

Die Wirkung von Androgenen auf die weibliche Haut wird zumeist mit eher unerwünschten Effekten wie Seborrhoe, Akne oder Hypertrichose in Verbindung gebracht. Allerdings zeigen Androgene im dermalen Bereich durchaus auch erwünschte Wirkungen. So führen sie zu einer vermehrten Vernetzung des dermalen Bindegewebes und einer Beeinflussung der Mikroarchitektur des subkutanen Fettgewebes. Diesen Effekt macht man sich vor allem in der Behandlung der Cellulite zunutze. Die Cellulite (Dermopanniculosis deformans) ist eine typische geschlechtsspezifische Veränderung des subkutanen Fettgewebes. Die Tatsache, dass diese Veränderung ausschließlich Frauen (und eunuchoide Männer) betrifft, ist bedingt durch Unterschiede im Aufbau der bindegewebigen Septen der Subcutis. Während bei Männern die bindegewebigen Septen reichlich Quervernetzungen aufweisen, sind sie bei Frauen säulenartig angeordnet. Füllen sich die Kammern dieser Septen mit Fettzellen und kommt erschwerend noch ein Lipödem hinzu, so resultiert daraus das bekannte Phänomen einer Orangen- oder Matratzenhaut, hauptsächlich im Bereich der gluteofemoralen Region. Medizinisch ist das zwar ohne jede Bedeutung, kosmetisch wird es jedoch von vielen Frauen als Makel empfunden.

Topisch wirksame Androgene

Eine wirksame Behandlung besteht in der lokalen Anwendung von Androgenen, die zu einer Modifikation des subkutanen Fettgewebes im Sinne einer vermehrten Quervernetzung führt und somit einen kausalen Therapieansatz darstellt. Aber auch hier ist die Auswahl des richtigen Androgens von entscheidender Bedeutung. Ähnlich wie das 17-Östradiol wird auch das Testosteron perkutan resorbiert und entfaltet dann systemische Wirkungen. Da die meisten Frauen mit Cellulite keine Zeichen eines allgemeinen Androgenmangels aufweisen, ist dieser Effekt eher unerwünscht.Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Die Androgene sollen vor allem im Bereich der Subkutis wirken. Subkutanes Fettgewebe enthält jedoch große Mengen an Fettgewebsaromatase, also jenem Enzym, das durch Aromatisierung Androgene in Östrogene weitermetabolisiert. Die topische Applikation von Testosteron führt so letztlich nur zu einer Erhöhung der Östrogenspiegel im behandelten Bereich, also dem genauen Gegenteil der intendierten Wirkung. Daraus folgt, dass die zur Therapie des männlichen Androgenmangels erhältlichen Testosterongele zur Behandlung der weiblichen Cellulite nicht geeignet sind. Das Androgen der Wahl ist vielmehr das Androstanolon, dessen systemische Wirkung minimal ist und das zu den nicht aromatisierbaren Androgenen gehört (17). Begleitende Maßnahmen wie eine allgemeine Fettgewebsreduktion und die gezielte Behandlung des Lipödems können den Erfolg einer hormonkosmetischen Therapie der Cellulite wirksam unterstützen. Wie bereits erwähnt, dürfen Hormone in frei verkäuflichen Kosmetika nicht verwendet werden, da diese dadurch zu Arzneimitteln würden. Umgekehrt ist es allerdings durchaus möglich, Hormonkosmetika mit zusätzlichen Pflegestoffen anzureichern. Durch die Einarbeitung von topischen Antioxidanzien und Moisturizern ist somit auch eine Beeinflussung der extrinsischen Hautalterung möglich. Zu den topisch wirksamen Antioxidanzien gehören z.B. die Vitamine C und E sowie Vitamin-A-Derivate (Retinol). Insbesondere die Wirkung der Vitamin-A-Säure (Tretinoin,Retinsäure) ist wissenschaftlich gut untersucht und belegt. So gehört die Retinsäure zu den wenigen Substanzen, die einen tatsächlichen Einfluss auf die Kollagenneosynthese haben. Bezüglich weiterer dermatokosmetischer Wirkstoffe sei auf die einschlägige Fachliteratur verwiesen.

Galenik entscheidet

Für einen erfolgreichen Einsatz von Hormonkosmetika ist nicht zuletzt aber auch die Galenik von entscheidender Bedeutung. Natürliche Steroidhormone lösen sich am besten in Alkohol, Äther und Aceton oder auch in fetten Ölen. Beides ist unter hautpflegerischen Gesichtspunkten wenig ideal. Alkohol und Aceton trocknen die Haut aus, fettende Salben schmieren und verleihen der Haut ein unangenehmes Glänzen. Eine Möglichkeit, dieses zu vermeiden, bietet die Vorlösung der Hormone in dem für sie am besten geeigneten Öl oder Gel.

Cellulite ist weiblich

Die Cellulite ist eine typisch geschlechtsspezifische Veränderung. Männer – auch dicke Männer – bekommen keine Cellulite. Der Grund liegt in der unterschiedlichen Mikroarchitektur des subkutanen Fettgewebes. Während Männer hier ausgeprägte Bindegewebsquervernetzungen aufweisen, sind die bindegewebigen Septen bei Frauen säulenartig angeordnet, sodass sich bei Vorliegen eines zusätzlichen Lipödems das typische „matratzenartige“ Hautmuster ausbildet.

Geschlechtsunterschiede im Bindegewebsaufbau als Ursache für Cellulite

Geschlechtsspezifische Unterschiede im Aufbau des subkutanen Fettgewebes sind der Grund dafür, dass Cellulite fast ausschließlich bei Frauen auftritt.

links: weiblich, rechts: männlich

Neben allgemeinen Maßnahmen wie einer diätetischen Fettgewebsreduktion oder einer manuellen Therapie des Lipödems kann eine deutliche Besserung der Symptomatik auch durch eine topische Hormongabe erfolgen. Mittel der Wahl sind hierbei die Androgene und Androgenderivate. DHEA, das bei Frauen im wesentlichen zu Androgenen weiter verstoffwechselt wird, lässt sich dabei in lokaler Form einsetzen. Ein weitaus potenteres Mittel ist das Androstanolon, ein nicht aromatisierbares Androgen. Dieser Aspekt ist von großer Wichtigkeit. Häufig verschriebene Testosteronplflaster als lokal appliziertes Testosteron eignet sich beispielsweise nicht zur Cellulitebehandlung, da es im Fettgewebe sogleich in Östradiol und Östron weiteraromatisiert wird und so die Symptomatik eher verschlechtert. Eine Verstärkung der Androstanolonwirkung lässt sich durch die Kombination mit einemAntiöstrogen (Tamoxifen) in die Cellulitecreme erreichen.

Behandlung der Akne

Die systemische Hormonbehandlung der Akne durch einen antiandrogenen Ovulationshemmer ist seit Jahrzehnten gynäkologische und dermatologische Praxis. Die Ovulationshemmereinnahme wird jedoch nicht immer akzeptiert, etwa von Frauen mit Kinderwunsch. Jungen Männern, die von Akne wesentlich häufiger und stärker betroffen sind, steht diese Option prinzipiell nicht zur Verfügung. In beiden Fällen ist jedoch der topische Einsatz eines Antiandrogens (z.B. Cyproteronacetat) möglich. Da die Akne häufig auf dem Boden einer Seborrhoe entsteht, sollte als Grundlage möglichst ein Gel statt einer fetten Salbe verwendet werden. Der Zusatz von Östriol verstärkt die Wirkung eines antiandrogenen Aknegels. Die Hormonkosmetik ist zweifelsfrei ein hochinteressantes, aber nicht unproblematisches Gebiet. Zu Recht gibt es die entsprechenden Präparate nicht im freien Handel, sondern nur auf Rezept. Steroidhormone sind hoch wirksame Substanzen, welche nicht nur auf die Haut wirken, sondern auch durch die Haut resorbiert werden. Überdosierungen müssen also vermieden werden, und systemische Effekte sind prinzipiell möglich. Die Hormonkosmetik gehört somit in die Hand eines auf diesem Gebiet versierten Arztes. Zukunftsmarkt Hormonkosmetik: Der Bereich des ästhetischen Anti-Aging wird auch in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Da ein gesundes und jugendliches Aussehen vor allem über den Hautzustand kommuniziert wird, steigt die Nachfrage nach effektiven Maßnahmen zur Verbesserung des Hautzustandes. Im Gegensatz zur kosmetischen Industrie haben Ärzte dabei die Möglichkeit, mit wesentlich wirksameren Inhaltsstoffen zu arbeiten und somit an der Haut Effekte zu erzielen, die mit klassischen Kosmetika niemals erreichbar sind. Der Dermatologe als Facharzt für die Haut ist dabei in vielen Fällen sicherlich der erste Ansprechpartner. Der Gynäkologe mit seiner endokrinen Kompetenz erscheint jedoch vor allem auf dem sich neu etablierenden Gebiet der Hormonkosmetik als der geeignete Spezialist, diesen anspruchsvollen Bereich in der Praxis umzusetzen.

Für weitere Informationen gehen Sie bitte zu dem Bereich Hormon Kosmetik – Dr. Michael Schmidt-Kulbe – MSK _ Laboratories. Dort finden Sie die Speziellen Cremes und Seren zu den einzelnen Behandlungsindikationen.

 

Quellennachweis:
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