Aesthetische Endokrinologie – Hormone für die Schönheit
 

Der Einfluss von Steroidhormonen auf die Haut und ihre Anhangsgebilde ist seit langem bekannt und wird in vielfältiger Weise therapeutisch genutzt. In den letzten Jahren werden Steroidhormone in topischer Applikation zunehmend zu rein kosmetischen Zwecken eingesetzt.

Die Hormonkosmetik – auch als ästhetische Endokrinologie bezeichnet – eröffnet dabei Möglichkeiten, die weit über den Rahmen der klassischen Kosmetik hinausgehen. Östrogene bewirken im dermalen Bindegewebe einen Anstieg von sauren Mukopolysachariden und von Hyaluronsäure, was eine vermehrte Wassereinlagerung zur Folge hat. Die Hautdicke nimmt zu, kleinere Fältchen glätten sich. Gleichzeitig beeinflussen Östrogene auch die strukturelle Qualität des Bindegewebes durch einen messbaren Anstieg des Kollagens. Diese Effekte sind nicht nur durch eine systemische Hormontherapie zu erzielen, deren langfristiger Einsatz zunehmend kritisch gesehen wird, sondern auch durch eine lokale Applikation. Hierzu empfiehlt sich als besonders geeignetes Östrogen das Östriol, das eine ausgeprägt epidermotrope Wirkung besitzt und auch bei einer eventuellen transdermalen Resorption nur geringe Wirkungen auf das Endometrium entfaltet.

Aber auch die Gestagene zeigen eine positive Wirkung bei der Behandlung der alternden Haut. Insbesondere das natürliche Progesteron ist ein Hemmer der für den Bindegewebsabbau verantwortlichen Matrix-Metalloproteinasen. Eine gute Steriodhormonsalbe sollte daher auch einen Progesteronanteil enthalten.

Die Cellulite ist eine typisch geschlechtsspezifische Veränderung. Der Grund liegt in der unterschiedlichen Mikroarchitektur des subkutanen Fettgewebes. Während Männer hier ausgeprägte Bindegewebsquervernetzungen aufweisen, sind die bindegewebigen Septen bei Frauen säulenartig angeordnet, so dass sich bei Vorliegen eines zusätzlichen Lipödems das typische „matratzenartige“ Hautmuster ausbildet. Mittel der Wahl in der hormonkosmetischen Behandlung der Cellulite sind die Androgene und Androgenderivate, insbesondere das Androstanolon, ein nicht aromatisierbares Androgen. Dieser Aspekt ist von großer Wichtigkeit. Lokal appliziertes Testosteron eignet sich nicht zur Cellulitebehandlung, da es im Fettgewebe sogleich in Östradiol und Östron weiteraromatisiert wird und so die Symptomatik eher verschlechtert.

Die Hormonkosmetik ist zweifelsfrei ein hochinteressantes, aber nicht unproblematisches Gebiet. Zu Recht gibt es die entsprechenden Präparate nicht im freien Handel sondern nur auf Rezept. Steroidhormone sind hochwirksame Substanzen, welche nicht nur auf die Haut wirken, sondern auch durch die Haut resorbiert werden. Überdosierungen sind also zu vermeiden und systemische Effekte prinzipiell möglich. Die Hormonkosmetik gehört somit in die Hand eines auf diesem Gebiet versierten Arztes. Zudem ist die Galenik guter Hormonkosmetika anspruchsvoll und verlangt vom Apotheker viel Erfahrung.